19.02.2026

IT-Sicherheit im Realitätscheck: Wie Penetrationstests, Adversary Simulationen und Red Teaming Schwachstellen aufdecken

Wie Penetrationstests, Adversary Simulationen und Red Teaming Schwachstellen aufdecken IT-Security im Mittelstand

Ein Angriff auf die IT-Systeme kommt selten mit lautem Knall und einstürzenden Toren. Cyberkriminelle schleichen sich leise in Netzwerke ein und agieren zunächst unauffällig. Während sie sich im System umsehen, vergeht wertvolle Zeit, bis überhaupt jemand die Kompromittierung bemerkt. Um Schwachstellen in der eigenen IT-Sicherheit zu identifizieren und auch den Ernstfall zu proben, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Während Penetrationstests technische Schwachstellen in Systemen und Anwendungen aufdecken, zeigen Angriffssimulationen, wie gut Erkennung, Reaktion und auch die Zusammenarbeit im Ernstfall aussehen. Bei einer Adversary Simulation wird die Erkennung von auffälligem Verhalten in sicherheitsrelevanten Systemen wie einer Endpoint-Detection-and-Response-Lösung (EDR) oder einem Security Operations Center (SOC) überprüft. Beim Red Teaming hingegen steht die Reaktionsfähigkeit der gesamten Organisation im Fokus, um zu zeigen wie Technik, Prozesse und Zuständigkeiten ineinandergreifen und ob schnell und wirksam auf einen Angriff reagiert wird. Doch wann sollten Unternehmen was tun?

Was mittelalterliche Burgen über moderne Cyberabwehr verraten

Eine gut geschützte IT-Infrastruktur in einem Unternehmen lässt sich mit einer mittelalterlichen Burg vergleichen. In ihrem Inneren liegen die wertvollsten Schätze: sensible Daten, Systeme und Wissen, das geschützt werden muss. Rundherum sorgen mehrere Verteidigungslinien für die Sicherheit. Der breite Wassergraben trennt die Burg als erste Sicherheitsbarriere von der Außenwelt, dem Internet ab. Die Zugbrücke ist der kontrollierte Zugang zum internen Netzwerk, vergleichbar mit sicheren Anmeldungen oder einer Multifaktor-Authentifizierung. Die massiven Mauern übernehmen die Rolle der Firewalls, die unerwünschte Angriffe abwehren. Auf den hohen Türmen halten die Wachen Ausschau nach verdächtigen Bewegungen, so, wie moderne Sicherheitslösungen, die auffällige Aktivitäten erkennen. Im Inneren sorgt ein SOC dafür, dass bei einem Alarm schnell reagiert wird. Doch selbst die stärkste Burg kann Schwachstellen haben, wie etwa ein altes und vergessenes Tor oder einen schon seit langem nicht mehr genutzten Tunnel. Genau an solchen Schwachstellen setzen Angreifer an. Was passiert, wenn Cyberkriminelle den Graben bereits überwunden haben und es ein unbewachtes Seitentor gab oder der Wächter gerade abgelenkt war? Es reicht nicht aus, Mauern zu errichten und auf Wachen zu vertrauen. Um sicher zu gehen, dass die Burg widerstandsfähig ist, muss der Burgherr regelmäßig überprüfen, ob etablierte Schutzmechanismen standhalten, ob Wachen noch gut genug sehen können, um Eindringlinge zu erkennen und ob die Verteidiger wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Genau hier setzt der Gedanke an, der moderne Sicherheitsstrategien prägt: Nicht die bloße Verteidigung schützt, sondern die Fähigkeit, Schwachstellen zu erkennen, bevor es jemand anderes tut. Penetrationstests prüfen, ob die Mauern und Tore noch sicher sind. Adversary Simulationen zeigen, ob die Wachen verdächtige Aktivitäten bemerken und Red Teaming testet, wie gut die gesamte Burgbesatzung im Ernstfall reagiert.

Penetrationstests: Der systematische Blick auf die Mauern

Ein Penetrationstest prüft, wie sicher Webanwendungen, Netzwerke und die IT-Systeme sind. Hier steht die Frage im Vordergrund: Wo ist meine IT angreifbar und über welchen Weg können sich Eindringlinge Zugang verschaffen? Dieser Test ist der erste Schritt, um technische Schwachstellen in Systemen, Anwendungen oder Netzwerken zu finden. Dabei schlüpfen Expertinnen und Experten in die Rolle eines Angreifers und prüfen gezielt, wo die IT-Infrastruktur verwundbar ist. Das reicht von falsch konfigurierten Servern über unsichere Webanwendungen bis hin zu schwachen Passwörtern. Das Ziel ist es, Schwachstellen sichtbar zu machen und diese zu beseitigen, bevor Kriminelle sie entdecken und ausnutzen können. Die Ergebnisse fließen in einen detaillierten Bericht, der nicht nur vermeidbare Lücken auflistet, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen liefert. Penetrationstests sind damit der Fundament-Check der IT-Sicherheit und ideal, um das aktuelle Sicherheitsniveau zu bestimmen und technische Risiken gezielt zu schließen.

Adversary Simulation: Wenn der Angriff bereits läuft

Doch was passiert, wenn ein Angreifer den ersten Schutzwall bereits überwunden und einen Fuß in die „Burg“ gesetzt hat? Hier kommt die Adversary Simulation ins Spiel und dabei ist diese Frage zentral: Wie wird der Angriff bemerkt und funktioniert das etablierte Sicherheitssystem? Eine Adversary Simulation setzt also unter der Annahme an, dass ein Angriff bereits im Gange ist. Sicherheitsteams spielen gezielt reale Angriffsabläufe durch und prüfen, ob die vorhandenen Erkennungsmechanismen reagieren. Werden verdächtige Aktivitäten im Netzwerk erkannt? Schlagen EDR-Systeme an? Und weiß das SOC, wie es reagieren muss? Erreichen Angreifer unbemerkt ihr Ziel in der Simulation, ist dies ein klares Signal dafür, dass Erkennung und Reaktionsprozesse noch verbessert werden müssen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise, wo technische und organisatorische Abläufe noch nicht optimal ineinandergreifen. Wenn Systeme nicht alarmieren, entstehen Risiken und wo Menschen nicht reagieren, verlängert sich die Angriffszeit.

Red Teaming: Der Realitätscheck für Sicherheitsprofis

Noch einen Schritt weiter geht Red Teaming. Hier wird nicht nur überprüft, ob Schwachstellen existieren oder Angriffe erkannt werden, sondern wie gut ein Unternehmen tatsächlich auf eine laufende Bedrohung reagiert. In der Regel läuft Red Teaming verdeckt ab, sodass das Verteidigerteam vorher nicht weiß, wann und in welchem Umfang der Test erfolgt. So entsteht eine realistische Simulation eines Angriffs unter kontrollierten Bedingungen. Im Fokus steht das Zusammenspiel aller Komponenten: Technik, Prozesse und Menschen. Ein funktionierendes SOC, klar definierte Prozesse wie Notfallpläne und eindeutig geregelte Verantwortlichkeiten sind Voraussetzung, damit ein Red Teaming durchgeführt werden kann. Für eine aussagekräftige Übung ist also bereits ein hohes Sicherheitslevel erforderlich, denn hier geht es darum, Schwachstellen zu finden und zusätzlich noch die Erkennungsmaßnahmen zu testen. Das Ergebnis ist kein klassischer Bericht, sondern ein realistisches Lagebild: Welche Angriffspfade waren erfolgreich? Wie lange blieb der Angriff unentdeckt? Wie effektiv verlief die Reaktion? So entsteht eine ehrliche Beurteilung darüber, wie widerstandsfähig ein Unternehmen ist und wo das Sicherheitsmanagement verbessert werden muss.

Fazit: IT-Sicherheit ist ein fortlaufender Prozess

Wie eine Burg, deren Verteidigung regelmäßig überprüft und angepasst werden muss, verlangt auch Cybersicherheit ständige Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung. Denn die Bedrohungslage verändert sich kontinuierlich, Angreifer werden raffinierter, Angriffsmethoden vielfältiger und die Grenzen zwischen technischen, organisatorischen und menschlichen Schwachstellen zunehmend fließend. Um dieser Dynamik wirksam zu begegnen, müssen Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig hinterfragen und gezielt prüfen lassen. Ob Penetrationstest, Adversary Simulation oder Red Teaming das Richtige ist, hängt aber stark davon ab, wie weit Unternehmen mit ihrer IT-Sicherheit sind. Alle drei Methoden haben ein gemeinsames Ziel: Schwachstellen zu erkennen und sie zu schließen. Sie sind aufeinander aufbauende Bausteine einer modernen Sicherheitsstrategie. Wer neu in das Thema einsteigt, beginnt mit einem Penetrationstest. Organisationen mit bestehenden Schutzmechanismen profitieren von Adversary Simulationen. Und wer seine Prozesse auf die Probe stellen will, ist mit Red Teaming bereit für den Härtetest, der alle Sicherheitsebenen abdeckt. Red Teaming ist so nahe an einem tatsächlichen Angriff wie es mit legalen Mitteln möglich ist. Es ist eine echte Belastungsprobe, die sowohl technische als auch organisatorische Schwachstellen schonungslos aufdeckt. Wer seine Infrastruktur regelmäßig prüft und die eigene Abwehr weiterentwickelt, gewinnt mehr als nur Sicherheit. Er bleibt den Angreifern einen Schritt voraus und im Ernstfall handlungsfähig.



Marita Bierhoff

Marita Bierhoff

Public Relations Managerin

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