Vielmehr zu diskutieren ist der Umstand, dass die Arbeit des US-amerikanischen Unternehmens als „alternativlos“ bezeichnet wird. Genau hier liegt ein grundsätzliches Problem: Digitale Souveränität bedeutet nicht, auf internationale Technologie, Lösungen und Anbieter zu verzichten. Stattdessen geht es um die Möglichkeit, auswählen zu können. Gerade in der deutschen und europäischen Cybersicherheitsbranche gibt es Unternehmen, welche über umfassende Kompetenzen in Incident Response, IT-Forensik und der Absicherung kritischer IT-Infrastrukturen verfügen. Warum wurde keine dieser Firmen in Berlin herangezogen, um den Vorfall aufzuarbeiten?
Der Fall der Bundeshauptstadt ist daher ein Anlass, die Beschaffungs- und Entscheidungsprozesse grundsätzlich zu hinterfragen:
- Wie stellen wir sicher, dass Deutschland im Ernstfall eines weitreichenden und erfolgreichen Cyberangriffs nicht von einzelnen außereuropäischen Technologien abhängig ist?
- Werden europäische Anbieter bei besonders sicherheitskritischen Projekten ausreichend berücksichtigt?
- Welche Rolle spielen der Unternehmenssitz von Anbietern, die geltende Rechtsordnung und mögliche Zugriffe auf sensible Daten?

Wir haben in Deutschland Unternehmen und Spezialisten mit großer Erfahrung in Incident Response und IT-Forensik. Sie können Angriffe untersuchen, Systeme wiederherstellen und anschließend klären, was geändert werden muss, damit sich so etwas nicht wiederholt. Wir diskutieren ständig über digitale Souveränität. Gleichzeitig vergeben wir einen Auftrag mit sehr tiefem Einblick in staatliche IT an ein US-Unternehmen. Und installieren dafür Software mit entsprechend weitreichenden Rechten. Das passt für mich nicht zusammen.
Wer digitale Souveränität stärken möchte, muss dafür sorgen, dass Alternativen entstehen. Das allein reicht aber noch nicht aus. Sie müssen im entscheidenden Moment eine Chance haben, berücksichtigt zu werden. Das ist in Berlin nicht passiert.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, ob amerikanische oder europäische Cybersicherheit grundsätzlich „besser“ ist. Die wichtigere Frage lautet: Wollen wir dauerhaft in einer Situation bleiben, in der bei einem sicherheitskritischen Vorfall nur ein Anbieter als alternativlos erscheint? Unser Ziel sollte ein anderes sein: ein starkes und großes europäisches Security-Ökosystem, das nicht nur technologisch konkurrenzfähig ist. Hierdurch haben öffentliche Institutionen in Deutschland auch bei kritischen Sicherheitsentscheidungen eine echte Wahl.
Was bedeutet digitale Souveränität?
Entscheidend ist, selbstbestimmt über den Einsatz von Technologien, IT-Systemen und Daten entscheiden zu können. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen heißt das insbesondere, die Kontrolle über ihre digitale Infrastruktur und sensible Informationen zu behalten und kritische Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern oder Staaten zu reduzieren.
Für uns als G DATA ist digitale Souveränität deshalb eng mit Cybersicherheit und Vertrauen verbunden. Als deutsches Cyber-Defense-Unternehmen entwickelt G DATA seine Sicherheitslösungen mit eigener Expertise und setzt auf hohe Standards bei Datenschutz, Transparenz und Sicherheit. Doch digitale Souveränität bedeutet mehr als „Made in Germany“ oder „Made in Europe“: Entscheidend ist, dass Organisationen Wahlmöglichkeiten behalten, Risiken und Abhängigkeiten bewusst bewerten und jederzeit handlungsfähig bleiben. Wer seine IT und seine Daten schützen und kontrollieren kann, stärkt damit auch die eigene digitale Selbstbestimmung.