03.11.2026

Angriff auf die Kühlkette: Unbekannte manipulieren Kühlanlagen in Supermärkten

Angriff auf die Kühlkette: Unbekannte manipulieren Kühlanlagen in Supermärkten Awareness

In der Nacht zum Montag haben mehrere hundert Supermärkte in Europa einen Ausfall ihrer Kühlanlagen gemeldet. In einigen Fällen hätten die Kühltruhen in den Märkten sogar geheizt. Sachschäden in bisher nicht genannter Höhe sind die Folgen. Das Wichtigste auf einen Blick. 

Was ist passiert?

Unbekannten ist es gelungen, die digitale Steuerung von Kühlanlagen in zahlreichen Supermärkten in mehreren Ländern zu manipulieren. Die Manipulation führte zu einem Ausfall der Kühlung. Erstmals traten diese Fälle Mitte Oktober in Frankreich auf. Am vergangenen Montag machten diese Vorfälle auch in weiteren Ländern die Runde. Mittlerweile sind anscheinend auch deutsche Lebensmittelhändler betroffen. 

Wie genau wurden die Kühlsysteme angegriffen?

Bisher gilt nur als gesichert, dass es einen Zugriff auf die Steuerungssysteme gegeben hat, welche aus dem Internet erreichbar sind. Denkbar sind hier mehrere Ursachen. Eine These ist, dass ein Dienstleister kompromittiert wurde, oder dass Schwachstellen in der Steuerungssoftware ausgenutzt wurden. Was genau der Fall ist, ist derzeit noch ungeklärt, auch wenn es die genannten Vermutungen gibt. Ein gemeinsames Detail vieler Fälle ist etwa der Hersteller der jeweiligen Kühlanlage. 

Was sind die Folgen?

Da die Kühlkette unterbrochen wurde, mussten die Lebensmittel, die in den manipulierten Kühlanlagen gelagert waren, vernichtet werden. Dadurch entstand erheblicher Sachschaden. In einigen Fällen gab es Berichte über Brände in den Kühlaggregaten einzelner Märkte. 

Wer ist betroffen?

Nach bisherigen Erkenntnissen sind Supermärkte in Frankreich, Schweden, Belgien, Luxemburg, und Italien betroffen. Auch in Deutschland gibt es erste Berichte. Bisher bestätigt sind Ausfälle in einem Edeka-Markt in Bayern In Nordrhein-Westfalen ist Berichten zufolge ein Lebensmittelhändler in Wetter betroffen. Es gibt weitere Meldungen, die aber bisher nicht bestätigt sind.  

Wer steckt hinter den Ausfällen?

Bisher ist nicht klar, wer für die Manipulation verantwortlich ist oder was die Motivation sein könnte. Auch wenn die zeitliche Nähe zu den ersten Fällen aus Frankreich einen Zusammenhang nahelegen, können Polizei und Strafverfolgung hier noch keine gesicherten Angaben machen. 

Wie lässt sich eine Kühlanlage überhaupt manipulieren?

In den meisten Fällen lassen sich Kühlanlagen aus der Ferne steuern und warten. Dazu ist ein Teil der Steuerung aus dem Internet erreichbar, der von Dienstleistern für Wartungs- und Überwachungszwecke genutzt wird. Schafft es jemand, sich Zugriff auf diese Steuerungssysteme zu verschaffen, kann er Grenz- und Temperaturwerte nach Belieben verändern. Möglich wird das etwa durch das Stehlen entsprechender Zugangsdaten bei einem Dienstleistungsunternehmen, oder auch durch das Ausnutzen einer Sicherheitslücke.  Vielfach wurde berichtet, dass die Solltemperatur der Kühlung auf 50 Grad oder ähnliche Werte gesetzt wurde. Das bedeutet aber nicht immer, dass das Gerät zur Heizung wird. Meist hört das Gerät „nur“ auf zu kühlen und schaltet den Kompressor nicht mehr ein. So steigt die Temperatur langsam an, bis sie sich auf Umgebungstemperatur einpendelt. In anderen Fällen wurde anscheinend zusätzlich die Abtaufunktion der Anlage aktiviert. Diese schaltet ein Heiz-Element innerhalb der Anlage ein, das Eisablagerungen schmelzen soll. Die Funktion ist identisch mit der Technologie, die auch im heimischen Kühl-  und Gefrierschank zum Einsatz kommt – nur eben größer.  

Was können die betroffenen Märkte jetzt tun?

Das BSI rät dazu, die Steuerung von Kühlanlagen vom Internet zu trennen und dort, wo es möglich ist, alle Sicherheitsupdates für die Steuerungssoftware einzuspielen. Ältere Anlagen, die vom Hersteller nicht mehr mit Aktualisierungen versorgt werden, müssen perspektivisch ersetzt werden. Zudem müssen die Kühlanlagen vom Rest eines Netzwerkes in einem Supermarkt getrennt sein und in einem eigenen Abschnitt angesiedelt sein. Einem hypothetischen Angreifer darf es nicht möglich sein, von einem Büro-PC aus die Steuerung der Kühlanlage zu erreichen.  

Zudem empfiehlt sich eine genaue Prüfung und gegebenenfalls Änderung von Passwörtern für Wartungszugänge externer Dienstleister. 
Da die Manipulation in der Nacht stattfand, fiel sie erst in den Morgenstunden auf, als der Schaden bereits angerichtet war. Daher empfiehlt es sich, eine von der Steueranlage unabhängige Überwachung der Temperaturen einzurichten, mit eigenen, separaten Temperaturfühlern. So kann im Bedarfsfall ein Alarm ausgelöst werden, wenn die Temperatur einen bestimmten Schwellwert überschreitet. Hierzu sind entsprechende Notfallpläne und Meldeketten sinnvoll.   

Besteht Gefahr für Verbraucher?

Nein. Aufgrund von gesetzlichen Vorgaben wurden die betroffenen Lebensmittel, die nicht mehr adäquat gekühlt wurden, sind aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Insgesamt ist die Lage derzeit noch in der Entwicklung und unterliegt ständigen Änderungen. Eine Gefahr für die Nahrungsmittelversorgung besteht nicht.  


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